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  Der Gutmensch
 




Der Gutmensch - Versuch einer Erklärung


Von Morten Morten, veröffentlicht auf pi-news.net


Selten fand ich einen Begriff so zutreffend wie der des Gutmenschen bzw. Gutmenschentums. Man stößt überall auf ihn, nicht selten wird er aber etwas unreflektiert benutzt, da man ihn einfach inflationär benutzt. Ich versuche hiermit eine Klärung des Begriffes, um zu zeigen, was sich dahinter verbirgt.


Ein Gutmensch darf keinesfalls mit einem guten Menschen verwechselt werden. Bei einem guten Menschen handelt es sich um jemanden, der „gut“ handelt in dem Sinne, dass er etwas, tut, was im allgemeinen Sinne als „gut“ bezeichnet wird z.B. Unterstützung sozial Benachteiligter, Geldspenden für wohltätige Zwecke und dergleichen. Dabei sollte dies aber keine Einzelhandlung darstellen, sondern eher ein spezifischer Charakterzug, da bei einer einzelnen Handlung nicht auf eine grundsätzliche charakterliche Disposition geschlossen werden kann. Das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung eines guten Menschen aber besteht darin, dass er sein „gutes“ Handeln nicht für persönliche und somit rein egoistische narzisstische Bedürfnisse missbraucht, um das Gefühl des „Gutseins“ bzw. das, was er dafür hält, zur persönlichen Aufwertung auszuschöpfen, genau so wie es der Gutmensch tut. Ein Wesenszug eines guten Menschen besteht in einer gewissen Bescheidenheit, einer unaufdringlichen Art. Er macht sein Tun nicht publik, sondern handelt einfach, um ein konkretes Problem anzugehen.

Der Gutmensch ist dieser Haltung vollkommen entgegengesetzt, denn er handelt „gut“ einzig und allein um seiner selbst willen, sei es zur Aufwertung seines sozialen Prestiges, sei es zur Anerkennung und Bestätigung von außen, sei es, um sich im Gefühl, „gut“ zu sein, regelrecht zu sonnen und zu suhlen, sei es um sich moralisch überlegen zu fühlen… Diese vermeintliche moralische Überlegenheit ist eines der Hauptmotive des Gutmenschen. Er handelt grundsätzlich aus einem narzisstischen Bedürfnis und der Sucht heraus, anerkannt zu werden, und reagiert aggressiv, wenn ihm diese narzisstische Zufuhr verwehrt wird (Stichwort: linke Politik).

Das Gutmenschentum hat von Europa Besitz ergriffen, denn ausgehend von den USA und der dortigen Kultivierung der „Politischen Korrektheit“ als Manifestation des Gutmenschentums ( bedingt durch die Emigration vieler europäischer Geistesgrößen vor allem der sogenannten Frankfurter Schule als extreme Reaktion auf den europäischen Faschismus ), wurde es in der Nachkriegszeit nach Europa reimportiert und dort weiter „kultiviert“. Der Unterschied bestand darin, dass die politischen Verhältnisse der Nachkriegszeit dieses neue sozialpsychologische / soziologische Paradigma unterstützten, es förderten, geradezu dankbar aufnahmen. Dies kann und muss als eine Form der Schuldbewältigung verstanden werden. Diese Schuldbewältigung erfolgte und erfolgt Versuch, die jüngste europäische Geschichte in einen größeren universellen Kontext zu stellen und sie auf ihre unterdrückerischen, imperialistischen Tendenzen schlechthin zu untersuchen auch und besonders als Form der Entlastung. So wurden / werden Phänomene wie Nationalismus, Patriotismus, Imperialismus, Kolonialismus, Rassismus, Diskriminierung etc. grundsätzlich unter diesem (marxistischen) Aspekt gesehen und verstanden. Da der Welt sozusagen ein Gegenmodell zur europäischen Vergangenheit präsentiert werden musste, bildete sich ein europäisch-universelles Selbstverständnis heraus, das seinen Ausdruck sozusagen modellhaft im europäischen Sozialstaat fand. Das Fatale aber an diesem europäisch-universellen Sendungsbewusstsein ist: Die Europäer (damit meine ich nicht die Europäer schlechthin, sondern die Europäische Union die zur Repräsentantin dieses Sendungsbewusstseins geworden ist) erkennen nicht den Widerspruch, dass ihr Gutmenschentum der Versuch einer Bewältigung historischer Schuld und der Wunsch nach einem Bruch mit dieser Tradition ist und gleichzeitig nach wie vor in eben dieser Tradition europäischer Arroganz und Überlegenheit steht. Der einzige Unterschied aber besteht in der Veränderung des Motivs: War es früher eine kulturell-intellektuelle Überlegenheit, so ist das heutige Motiv: Schuld.

Schuld aber ist eine extrem undankbare Voraussetzung für Politik. Da wo sie das dominierende Motiv ist, ist (politisches) Handeln zu neurotischem Handeln degradiert. Es äußert sich in Anbiederung, Selbstanklage, Unterwerfung, Selbstverleugnung, Infragestellung und im Extremfall Leugnung oder gar Negierung der eigenen Identität. Der Supranationalismus der Europäischen Union bringt dies idealtypisch zum Ausdruck. Das (politische) Handeln ist pathologisch und nur so ist der Umgang mit einer Religion zu verstehen, die sozusagen absolut konträr zu dem steht, was das neurotische Europa als universelle Werte formuliert hat (universelle Menschenrechte).

Dies wird nicht erkannt, darf nicht erkannt werden, es muss geradezu verdrängt werden, da ein Annehmen des eigenen Scheiterns ein Eingeständnis wäre, dass ein pathologisches Handeln keine Grundlage für ein gemeinsames Europa sein kann. Es wäre das Eingeständnis eines politischen Scheiterns, die Zerstörung einer narzisstischen Illusion, das Eingeständnis, dass der Patient Europa psychisch gestört ist. Der Wunsch nach einem fiktiven Idealzustand als Form der Schuldbewältigung aber ist übermächtig (tiefenpsychologisch: Das Verhalten wird vom Über-Ich beherrscht, vitale Triebe (Es) werden um den Preis des Selbstverrats abgewehrt). Das Verhalten ist degeneriert.

Dieses pathologische Handeln ist symptomatisch für Staaten wie Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Großbritannien, Schweden, Dänemark…um nur einige zu nennen.

So lange nicht erkannt und eingestanden wird, dass Europa nicht das moralische Gewissen der Welt sein kann (Dazu besteht auch gar keine Notwendigkeit. Wir können nicht die Probleme der Welt lösen und wir müssen uns als Traumatisierte auch nicht anmaßen, alle anderen unseren moralischen Ansprüchen zu unterwerfen. Wir sehen ja, dass es gerade Muslime sind, die sich diesen regelrecht widersetzen), so lange die Widersprüche im eigenen Handeln nicht erkannt und die Konsequenzen daraus gezogen werden, so lange nicht erkannt und eingestanden wird, dass jede Kultur ihr Existenzrecht hat, dass aber diese anderen Kulturen nicht zwangsläufig kompatibel mit unserer Kultur sein müssen und es auch kein Naturgesetz gibt, dass dies so sein MUSS, so lange die eigene Kultur so pathologisch geprägt ist, so lange wird es Muslime geben, die genau diese Schwächen für eigene politische Zwecke ausnutzen und daraus politisches und ökonomisches Kapital schlagen und so lange können wir nicht selbst-bewusst sein. Die obengenannten moralischen Ansprüche sind nämlich nicht Ausdruck eines Selbst-Bewusstseins, sondern Ausdruck neurotischer Kompensation.

Dass wir dieses massive Problem mit Muslimen in Europa haben, ist nur erklärbar durch unsere geistig-moralische Disposition des Ressentiments gegen uns selbst.

Dass Muslime die Konfrontation mit Europa suchen, ist kein Zufall sondern geradezu logische Konsequenz. Unser degeneriertes Verhalten fordert sie dazu auf.

Die Tatsache, WIE dieses Verhalten von Muslimen wahrgenommen werden muss, wird ausgeblendet. Sie können gar nicht anders, als dieses als Schwäche, (moralische) Unterlegenheit, Dekadenz, Bestätigung der eigenen kulturell-religiös-moralischen Überlegenheit, Bestätigung ihres Sendungsbewusstseins… zu interpretieren, als ständige Etappensiege, die sie immer weiter in ihrem Handeln, Denken und Fühlen bestätigen und legitimieren müssen.

Sie werden geradezu ermuntert, da das europäische Gutmenschentum diesen Sachverhalt bedingt durch seinen Kulturrelativierungszwang nicht als kulturell-religiöses Phänomen erklärt, sondern als rein soziologisches / soziales. In der Tat, wir sind zu selbstgefälligen, dekadenten, saturierten Gesellschaften verkommen, die sich eine solche Politik einfach noch leisten können. Es handelt sich dabei AUCH um ein ökonomisches Luxusphänomen. Sie entspricht einer unterlegenen Opferhaltung, da wir immer noch aus dem narzisstischen unreflektierten Affekt heraus handeln. Wer könnte dies besser versinnbildlichen als die Repräsentanten unser politischen Kaste? Sie blockieren sich selbst aber auch sich gegenseitig, da sie permanent daran gemessen werden bzw. andere Politiker daran messen inwiefern sie die obengenannten moralischen Werte (Über-Ich) verinnerlicht haben bzw. ihr politisches Handeln formal diesen entspricht. Sie treten sozusagen in einen moralischen Wettstreit. Jeder will (muss) besser, moralischer, demokratischer, freiheitlicher…. sein als der andere.
Die größte Gefahr besteht darin, nicht zu erkennen, dass wir uns in dieser Haltung der eigenen kulturellen Negation nicht gegen eine eindringende und aggressive Kultur wehren können, die gerade aus dem Motiv der kulturell-religiösen Überlegenheit heraus handelt und uns für unsere Ich-Schwäche verachtet und letztendlich bestraft.

Ein Teufelskreis par excellence, der unbedingt durchbrochen werden muss.

Meine Prognose ist die, dass eine solche Bewusstseinsänderung nicht durch einen Prozess kritischer, reifer Reflexion eingeleitet werden wird, sondern einzig und allein durch eine radikale Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Wenn wir uns diesen politischen Luxus nicht mehr werden leisten können, dann erst wird ein Bewusstseinswandel einsetzen und zwar deshalb, weil veränderte wirtschaftliche Verhältnisse unsere tiefsten Affekte ansprechen werden. Wir haben ja gesehen, dass wir an einer Veränderung der Verhältnisse durch rationale Überlegung gescheitert sind. Das Thema Migration, Zuwanderung, Muslime, Einwanderung etc. ist ein zutiefst emotionales und emotionalisiertes. Das ist ein wesentliches Merkmal neurotischen Verhaltens.

 
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